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Dran bleiben

Sonntagmorgen und kein Gottesdienst ...
Datum:
6. Juni 2026
Roland Hinzmann

An diesem Morgen habe ich mich dafür entschieden, ins Fitnessstudio zu gehen. Die Gesundheit geht vor, gerade wenn die Woche so gefüllt ist.

Mein neuestes Experimentierfeld ist ein Spinningkurs, den ich eine Woche vorher das erste Mal besucht hatte. 
Fahrradfahren unter Anleitung mit Musik in der Gruppe soll zu einem effizienteren Training führen. Beim 
ersten Besuch in diesem Kurs hatte ich noch sehr viele Probleme, aber auch sichtlich Spaß daran, mithalten 
zu wollen.

Meine Nachbarin am Fahrrad daneben verabschiedete mich mit den Worten „Dran bleiben!“, und so war ich an diesem Sonntag wieder mit dabei. Die meisten kennen sich in der Gruppe, als Neuling wurde ich direkt freundlich begrüßt und der Trainer half mir, mein Fahrrad einzustellen. Ich fühlte mich willkommen und einige lächelten mir zu. Ich konnte den Gedanken nicht mehr weiterverfolgen, dass ich das im Gottesdienst schon länger nicht mehr erlebt hatte. Die Musik startete und der Trainer gab uns die Anweisungen, wie wir uns im Gleichklang mit der Musik bewegen sollten. Tatsächlich hatte ich hier als Anfänger aber meine Probleme und mein Nachbar gab mir technische Tipps, so dass der Spaß sich wieder einstellte. Ich konnte ankommen.

Der Trainer lobte mich plötzlich und einige aus der Gruppe zeigten mir ihren Daumen nach oben. Ich war stolz, mithalten zu können. „Dran bleiben“ hatte mich an diesem Sonntagmorgen hierhergeführt und die freundliche Aufnahme und die Unterstützung machten es mir leicht, ein Teil der Gruppe werden zu können.

Nach einer Stunde des Trainings wurden wir alle gelobt. Ich bedankte mich für die Unterstützung und es kamen einige aus der Gruppe auf mich zu und ermutigen mich wiederum, weiterzumachen. Dabei wollten sie auch ihre Geschichten erzählen, was ihnen guttat. Wir sprechen viel zu selten über unsere guten Erfahrungen, dachte ich mir. Und das gilt auch für unseren Glauben. Ich konnte den Gedanken nicht loslassen, dass es Parallelen zu einem Sonntagsgottesdienst gibt. Ich hatte aber nach so viel Zuspruch, Gemeinschaft, Gespräch und Aktivität das Gefühl, mit mir wieder mehr in Einklang zu sein.

“Danke, Gott, für dein da Sein und für den Mut, dranzubleiben”, habe ich an diesem Morgen für mich so empfunden. Gott im Alltag zu erleben und den Zuspruch meiner Mitmenschen zu erfahren, das erinnert mich auch an Fronleichnam, wenn wir Christen durch die Straßen gehen und Jesus Christus feiern. Er bleibt mitten unter uns.

Roland Hinzmann, Pastoralreferent, Mitglied im Leitungsteam des Pastoralen Raumes Bernkastel-Kues